LEADER-Projekt zur Fachkräftegewinnung und -sicherung

Unterzeichnung-Koop.vertrag-1024x683Ob im Handwerk, der Industrie oder in der Gastronomie – der bereits bestehende und sich voraussichtlich verstärkende Fachkräftemangel ist in aller Munde. Viele Institutionen beschäftigen sich bereits mit diesem Sachverhalt und auch auf regionaler Ebene gibt es diverse Ansätze um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.
Da der Bedarf an Fachkräften sowohl regional als auch sektoral sehr unterschiedlich ist, haben die beiden LEADER-Regionen Limburg-Weilburg und Lahn-Taunus jetzt einen Prozess angestoßen, der dieser Fragestellung ganz gezielt nachgehen soll. Hinter der Projektbezeichnung „Länderübergreifender Strategieprozess zur bedarfsgerechten Arbeits- und Fachkräftesicherung“ steht ein Ablaufmuster, das aus mehreren aufeinander aufbauenden Schritten besteht: zunächst soll in einer Bestandsaufnahme der Ist-Zustand ermittelt und analysiert werden. Im darauf folgenden Schritt wird eine detaillierte Strategie- und Handlungsplanung erfolgen, die dann konkrete Maßnahmen einleiten wird. Hier könnten beispielsweise neue Organisationsformen, speziell bei unklarer Betriebsnachfolge, zum Tragen kommen und verschiedene Branchen stärken. Auch die Identifikation neuer Wirtschaftsfelder und das Aufzeigen von Marktnischen sollen helfen, verfügbare Potenziale zu erschließen. Gleichermaßen soll die Abwanderung von Arbeitskräften verhindert und die regionale Bindung gefördert werden, etwa um Pendler zurückzugewinnen. Neue Arbeitszeitmodelle für die Generation 50+ können helfen, deren Erfahrungswissen als Innovationsquelle nutzbar zu machen.
Das EU-Programm LEADER, das der Förderung des ländlichen Raumes dient, gewährleistet die monetäre Basis dieses ambitionierten Projekts. Die beiden LEADER-Regionen konnten deshalb am 17. Juli 2018 einen entsprechenden Kooperationsvertrag zur Realisierung des weiteren Vorgehens abschließen.
„In der heutigen Zeit sind Kooperationsabsichten oftmals nur Lippenbekenntnisse. Die beiden LEADER-Regionen Limburg-Weilburg und Lahn-Taunus haben mit der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags eine verbindliche Grundlage geschaffen und werden mit dem nun zu entwickelnden Strategieprozess ein wichtiges Steuerungselement erhalten, um mit geeigneten Maßnahmen dem Arbeits- und Fachkräftemangel entgegenwirken zu können“, so Michael Schnatz, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Diez und zugleich Vorsitzender der LEADER-LAG Lahn-Taunus. Gerade abseits der Großstädte in den ländlichen Räumen werde es immer wichtiger, die Qualität des Standorts als Arbeitsplatz zu sichern, Abwanderung zu verhindern und attraktive Arbeitsplätze anbieten zu können, und zwar von der einfachen Tätigkeit bis zu akademisch ausgebildeten Spezialkräften. Eine Zusammenarbeit über die Verwaltungs- und in diesem Fall sogar über die Landesgrenze hinaus nutze der gesamten Region, in der insgesamt mehr als eine viertel Million Menschen leben. „Defizite sind bereits heute in diversen Handwerksbereichen festzustellen: viele Betriebe sind auf Monate ausgelastet, ihnen fehlen allerdings die erforderlichen Arbeits- und Fachkräfte, um die an sich gute Auftragslage abzuarbeiten. Diese angespannte Situation spiegelt sich in der Konsequenz bereits in ansteigenden Preisen und langen Wartezeiten für die Kunden wider“, so Helmut Jung, Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises Limburg-Weilburg und Vorsitzender des Vereins Regionalentwicklung Limburg-Weilburg e.V.
„Die Zielstellung des Prozesses insgesamt ist, durch die Einbindung von Akteuren aus der gesamten Region – vom Einzelunternehmer bis hin zu Industrie-, Handels- und Handwerkskammern, die alle gleichermaßen den Prozess speisen, sich aktiv einbringen und letztlich mitgestalten sollen – ein Netzwerk entstehen zu lassen, sodass sich auch über die Projektlaufzeit von drei Jahren hinaus der Prozess verstetigen kann und damit zu einer zukunftsorientierten Arbeits- und Fachkräftesicherung beiträgt“, so Schnatz.

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