Warum Handwerkerinnen einen Vorteil haben

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm‘ oder auf Jennifer Jagusch gemünzt: ‚Der Pinsel fällt nicht weit von der Leiter‘. Der Großvater war Maler, ihr Vater war Maler und Berufsschullehrer und auch die heute 32jährige hat seinerzeit nach dem Fachabitur (Fachrichtung Bautechnik) das Malerhandwerk erlernt. Die Gesellenprüfung schloss sie nach einer verkürzten Lehrzeit als Innungsbeste mit der Note Eins ab. Schnell legte die junge Frau die Meisterprüfung nach. Im letzten Jahr gründete sie erfolgreich ihr eigenes Unternehmen und hat heute alle Hände voll zu tun.

Klettert weiter auf der Erfolgsleiter: Malermeisterin Jennifer Jagusch

Klettert weiter auf der Erfolgsleiter: Malermeisterin Jennifer Jagusch

„Die Geschäfte laufen gut“, freut sich die Hünfeldenerin, die sich vor allem der Innenraumgestaltung verschrieben hat und zudem als Dozentin am Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) Lahn-Dill in Wetzlar lehrt. „Das ist mein Ausbildungsbeitrag, um Fachkräfte für unseren Beruf heranzubilden“, erklärt die Mutter von zwei Kindern, die – wen würde es wundern – auch mit einem Maler verheiratet ist. Selbst ausbilden kann sie derzeit nicht und das hat seinen Grund. „Ich habe mich selbständig gemacht, um Familie und Beruf besser miteinander verbinden zu können“, berichtet sie. Zuvor war Jennifer Jagusch fünf Jahre lang als Bauleiterin für alle handwerklichen Gewerke bei einer Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft tätig, saß nicht selten noch um 22 Uhr in ihrem Büro in der Mainmetropole. „Meistens war ich zehn bis zwölf Stunden am Tag unterwegs und arbeitete auch noch am Wochenende und im Urlaub.“ Heute kann sich die Jungunternehmerin ihre Arbeitszeit selbst einteilen und mit den Belangen ihrer Familie abstimmen. „Wenn nötig, fange ich jetzt morgens später an, unterbreche zwischendurch oder mache früher Feierabend, sofern es meine Arbeit zulässt. Meinen Sohn hatte ich schon als dreimonatiges Baby mit auf der Baustelle – das hat ihm damals richtig gut gefallen“, schmunzelt Jennifer Jagusch und schließt nicht aus, damit bereits den Grundstein für die nächste Maler-Generation gelegt zu haben.

Als Selbständige nimmt sie sich auch mal eine Woche Auszeit, wenn sie das Gefühl be-schleicht, dass die Kinder wieder etwas mehr Zeit mit ihrer Mutter benötigen. „Unter solchen Bedingungen kann ich natürlich im Moment nicht selbst ausbilden“, erklärt die Handwerksmeisterin.

Meist sind es Frauen, die über Renovierungen entscheiden

Probleme mit ihren männlichen Kollegen gab es selten. „Die haben schnell bemerkt, dass ich gute Arbeit leiste“, blickt die Gründerin zurück. Im Rahmen ihrer Selbständigkeit komme ihr das „Frausein“ sogar entgegen, offenbart Jennifer Jagusch. Denn in der Regel seien es die Frauen, die zu Hause entscheiden ob, wann und wie renoviert werden müsse. „Auftraggeberinnen messen ihren Geschlechtsgenossinnen häufig einen stilvolleren Blick sowie ein gutes Gefühl für Farben und Einrichtungen bei. Auch Kreativität und die Sauberkeit auf der Baustelle sind Merkmale, die Frauen eher weiblichen Handwerkern zuordnen“, hat Jennifer Jagusch festgestellt.

23. Gründertag am 27. Juni in Limburg

Wer sich ebenfalls mit dem Gedanken einer Firmengründung oder -übernahme trägt, kann sich am Donnerstag, 27. Juni, ab 19 Uhr in der IHK Limburg beim 23. Limburger Gründertag kostenlos von Experten beraten lassen und Vorträge besuchen. Das Veranstaltungsprogramm ist im Internet unter www.ihk-limburg.de zu finden. Veranstaltet wird der Gründertag von der Kreishandwerkerschaft Limburg-Weilburg, IHK Limburg, Wirtschaftsförderung Limburg-Weilburg-Diez und der Arbeitsagentur Limburg-Wetzlar.

 

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