„Ohne Cloud geht es zukünftig nicht“

Cloud_im_Mittelstand_Nov14Für den Mittelstand ist die Arbeit mit der Computer-Cloud künftig unabdingbar. Die „Datenwolke“ sei ein „Game Changer“, sagte kürzlich Dr. Clemens Doubrava vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) während der Veranstaltung „Cloud-Nutzung im Mittelstand – Zukunftsvision oder Marktrealität“ in der WERKStadt LOUNGE in am 6. November in Limburg. Software-Konzerne wie Microsoft und Adobe setzten mittlerweile ganz auf Abo-Modelle in der Cloud. „Man wird gedrängt dazu, ignorieren ist nicht mehr möglich.“ Zu dem Symposium, bei dem es um Chancen und Risiken der Cloud-Technik ging, hatte die Breitbandberatung der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH (RMG) eingeladen – unterstützt durch die IHK Limburg.
Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Limburg, Ulrich Heep, rief vor 40 Gästen zu einem verantwortungsvollen Einsatz von Cloud-Computing in Unternehmen auf. Für die mittelständische Wirtschaft sei der Einsatz von Web-Diensten zwar „eine große Chance“, es sei aber „essentiell wichtig“, die Sicherheit im Auge zu behalten, sagte Heep. „Cloud ist das Schlagwort“, sagte der IHK-Präsident und nannte als Beispiele für den Mittelstand die Einsatzplanung vorhandener Ressourcen (Enterprise-Resource-Planning, ERP) oder die Kundenpflege per Customer Relationship Management (CRM). „Ohne Cloud geht es zukünftig nicht“, fügte Heep hinzu. Auch Dienste wie die Websuche oder Webmail, die jeder heute schon privat nutze, zählten zu diesem Bereich.
Aber: „Es gibt keine sichere Cloud“, betonte Doubrava. Die Teilung der Infrastruktur mit Unbekannten sowie der Verlust der Kontrolle über die eigenen Daten stellten Risiken dar. Der eigene Server in einem Rechenzentrum – die „private Cloud“ – sei zwar teurer als die „public Cloud“. Nur hier wachse aber die Zufriedenheit der Unternehmenskunden. Der BSI-Experte empfahl, den Einstieg in die Cloud als „strategische Entscheidung“ zu sehen und im Zweifelsfall „gute Beratung“ in Anspruch zu nehmen; ein Leitfaden des Bundesamtes sei dafür ein guter Einstieg.
Auch Klaus-Peter Altmann und Klaus Friederitzi von der Limburger Telekommunikationsfirma teliko sehen die private Cloud im Vorteil. Als konkretes Beispiel nannten sie den Fall einer Spedition mit mehreren Standorten: Dort werden die Daten zunächst auf dem eigenen Server gespeichert, um dann zusätzlich in einem zweiten Rechenzentrum in einer „public Cloud“ gesichert zu werden. Wichtig seien bei einer solchen Lösung „Automatisierung, Standardisierung und Flexibilisierung“.
„No Cloud“ gebe es spätestens 2016 nicht mehr, ist sich Dr. Beate Rickert von der Frankfurter KPR Capital GmbH, die nicht nur auf der Veranstaltung referierte sondern diese auch moderierte, sicher. Spätestens dann nämlich werde auch die gesamte Telefonie Internet- und damit Cloud-gestützt sein. Im Moment nutzten bereits 70 Prozent der Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern Cloud-Lösungen – von den Anfängen der IP-Telefonie bis hin zu ERP und CRM. Vorteile sieht Rickert vor allem in der Standardisierung und der damit einhergehenden Kostenersparnis sowie der Möglichkeit, weltweit auf die eigenen Daten zugreifen zu können. Allerdings sei es für Unternehmen wichtig, vor allem die Verbesserung der Abläufe im Auge zu behalten – und nicht nur die niedrigeren Aufwendungen.
Betriebe, die mit der Cloud arbeiten wollen, brauchen dazu eine gute Breitbandanbindung. Im Kreis Limburg-Weilburg soll dies bis 2016 das Netz der Deutschen Telekom bewerkstelligen, wie Martin Rudersdorf, Kreiskoordinator und Beauftragter der Wirtschaftsförderung Limburg-Weilburg-Diez GmbH sagte. Rudersdorf verwies auch auf das Netzwerk mit den Breitbandberatern des Regionalmanagements: Dies habe dazu geführt, dass deutlich mehr Glasfaser-Kabel verlegt worden seien. „Der Weg zum flächendeckenden Breitband-Netz in Mittelhessen bis 2016 ist geebnet“, sagte auch RMG-Geschäftsführer Jens Ihle.
Für die Regionalmanagement Mittelhessen GmbH seien Infrastruktur-Projekte wie dieses „eines der Kernfelder“, machte Ihle deutlich. Nicht zuletzt setze das Regionalmanagement auch auf der eigenen Website verstärkt auf webbasierte Dienste, wie zum Beispiel die Job-Matching-Plattform Mittelhessen Connect. Beim schnellen Internet praktiziere die RMG den Schulterschluss mit der Initiative „Mehr Breitband in Hessen“ der Landesregierung, die auf eine flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet bis Ende 2018 abzielt. Für jeden der fünf mittelhessischen Landkreise arbeite ein beim Regionalmanagement angesiedelter Breitbandberater daran, dieses Ziel noch schneller zu erreichen, berichtete Ihle. Denn: Ohne funktionierendem Breitband nützten den mittelhessischen Unternehmen eben auch die besten, günstigsten und sichersten Cloud-Anwendungen nichts.
Infoletter Mittelhessen 12/2014 | Datum: 1. Dezember 2014 | Jahrgang 11

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